Ein Kinderwunsch ist eine Entscheidung für die Zukunft. Doch haben Sie auch darüber gesprochen, was passiert, wenn diese Zukunft anders aussieht als erwartet?
Wer eine Familie gründen möchte, beschäftigt sich mit vielen Fragen. Wie groß soll unsere Wohnung sein? Können wir uns ein Kind leisten? Wie vereinbaren wir Beruf und Familie? Und wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt?
Diese Überlegungen sind wichtig. Doch sie betreffen vor allem die planbaren Aspekte des Familienlebens.
Was häufig weniger Beachtung findet, sind Situationen, in denen unsere Vorstellungen, Wünsche und Verpflichtungen miteinander in Konflikt geraten.
Dabei beginnt verantwortungsvolle Familienplanung nicht erst mit einer Schwangerschaft. Sie beginnt mit der Bereitschaft, sich gemeinsam mit den Veränderungen auseinanderzusetzen, die Elternschaft mit sich bringen kann.
Ein gemeinsamer Kinderwunsch bedeutet nicht automatisch gemeinsame Vorstellungen
Zwei Menschen können sich von Herzen ein Kind wünschen und trotzdem sehr unterschiedliche Erwartungen an das Familienleben haben.
Vielleicht ist für einen Partner die berufliche Entwicklung weiterhin besonders wichtig, während der andere davon ausgeht, dass familiäre Verpflichtungen künftig grundsätzlich Vorrang haben.
Solche Unterschiede sind nicht ungewöhnlich. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie erst sichtbar werden, nachdem Entscheidungen getroffen wurden, die sich nicht ohne Weiteres rückgängig machen lassen.
Deshalb lohnt es sich, bereits vor der Familiengründung über Situationen zu sprechen, die hoffentlich niemals eintreten – die aber viel darüber verraten können, wie wir Verantwortung verstehen.
Drei Situationen, über die Sie miteinander sprechen sollten
1. Wenn Beruf und Familie miteinander konkurrieren
Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Ihre Tochter hat heute ihre erste große Tanzaufführung. Seit Wochen freut sie sich darauf, dass Sie im Publikum sitzen. Sie haben fest versprochen, dabei zu sein.
Zwei Stunden vor Beginn meldet sich Ihr Arbeitgeber. Ihre Vorgesetzte ist kurzfristig erkrankt. Sie sollen für sie einspringen und eine wichtige Aufgabe übernehmen. Ihre Unterstützung wäre für das Unternehmen ausgesprochen wertvoll.
Was tun Sie?
2. Wenn die vereinbarte Aufgabenverteilung nicht mehr funktioniert
Sie haben sich bereits Gedanken darüber gemacht, wie Sie nach der Geburt Ihres Kindes Beruf, Haushalt und Betreuung organisieren möchten.
Ein Elternteil wird zunächst überwiegend die Kinderbetreuung übernehmen. Der andere arbeitet weiterhin Vollzeit.
Beide halten diese Lösung für sinnvoll. Doch nach einigen Monaten sieht der Alltag anders aus als erwartet.
Schlafmangel, Haushalt und Kinderbetreuung führen zu einer zunehmenden Erschöpfung des betreuenden Elternteils. Dieser wünscht sich eine grundlegende Veränderung der Aufgabenverteilung.
Wie gehen Sie damit um?
3. Wenn das Leben andere Pläne hat
Sie freuen sich auf ein Familienleben mit gemeinsamen Unternehmungen, beruflicher Entwicklung und dennoch ausreichend Zeit für persönliche Interessen.
Natürlich wissen Sie, dass ein Kind Veränderungen mit sich bringt.
Aber was ist, wenn alles anders kommt.
Bei Ihrem Kind zeigt sich eine gesundheitliche oder entwicklungsbedingte Besonderheit. Es benötigt dauerhaft deutlich mehr Unterstützung und Begleitung, als Sie ursprünglich erwartet haben.
Ein Elternteil möchte deshalb die eigene Berufstätigkeit erheblich reduzieren. Der andere befürchtet finanzielle Schwierigkeiten und sieht zugleich die eigenen Lebenspläne gefährdet.
Wie würden Sie gemeinsam entscheiden, was jetzt zu tun ist?
quana Praxis – Jetzt sind Sie dran!
Nehmen Sie sich für die drei Beispiele bewusst Zeit.
Lesen Sie jede Situation zunächst nur für sich und überlegen Sie, wie Sie persönlich handeln würden.
Tauschen Sie anschließend Ihre Gedanken aus.
Die folgenden drei Fragen helfen Ihnen, Ihre eigenen Vorstellungen zu erkennen:
A – Was wäre für mich in dieser Situation besonders wichtig – und warum?
Hinter unseren Entscheidungen stehen häufig Werte, Erfahrungen und Erwartungen, die wir selbst nur selten bewusst hinterfragen.
B – Was würde ich von meinem Partner oder meiner Partnerin erwarten?
Nicht jede Erwartung ist selbstverständlich. Was für einen Menschen Ausdruck von Verantwortung ist, kann für einen anderen eine unzumutbare Einschränkung bedeuten.
C – Wie würden wir vorgehen, wenn wir uns nicht einig sind?
Familienplanung bedeutet auch, Vertrauen aufzubauen
Wer solche Fragen stellt, wird möglicherweise feststellen, dass der eigene Partner manche Dinge ganz anders betrachtet als erwartet. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Im Gegenteil, unterschiedliche Vorstellungen frühzeitig zu erkennen, bietet die Gelegenheit, gemeinsam daran zu arbeiten.
Vielleicht entdecken Sie aber auch, dass Sie in entscheidenden Fragen ähnliche Werte teilen und sich gegenseitig auf eine Weise unterstützen möchten, die Ihnen bisher gar nicht bewusst war.
Das kann Sicherheit geben. Und Sicherheit stärkt Vertrauen.
Und wenn grundlegende Erwartungen unvereinbar erscheinen, ist auch diese Erkenntnis wichtig. Sie verdient eine ehrliche Auseinandersetzung, bevor aus dem gemeinsamen Kinderwunsch eine gemeinsame Verantwortung für ein Kind wird.
Also, klären Sie das. Vielleicht nicht sofort. Nehmen Sie sich Zeit.
Aber machen Sie sich einen Plan. Haben Sie einen Plan.